Kein Kleidungskauf in 365 Tagen ...

... und mittlerweile sind noch einige Tage mehr hinzugekommen.

Kristin Kahmeier von piexsu hatte im letzten Jahr die Idee, 365 Tage lang auf Kleidungskauf zu verzichten. Da dieses Vorhaben möglicherweise in einer Gruppe leichter fällt, hatte sie die spontane Idee eine entsprechende Gruppe zu gründen.

Hintergrund für dieser Challenge war der, sich Gedanken über fair produzierte Kleidung zu machen und auch erneut auf Missstände und Arbeitsbedingungen in den produzierenden Ländern hinzuweisen. 
Die Frage, wie es sein kann, das der Preis für ein Kleidungsstück unter 10 € liegen kann, hat sich bestimmt jeder schon einmal gestellt.
Natürlich freuen wir uns, wenn wir Schnäppchen machen und ob dann der Gedanke unbedingt präsent ist, wenn wir von einem Kleidungsstück uns in den Bann ziehen lassen, sei mal dahingestellt.
Aber stellen wir uns auch wirklich die Frage, ob wir dieses Kleidungsstück, auch wenn es äußerst günstig ist, tatsächlich benötigen, oder könnten wir auch auf den Kauf verzichten?









Schaden wir unter Umständen bei einem veränderten Konsumverhalten gar den Falschen, nämlich denen,  die in den Textilfirmen arbeiten und "wenigstens" etwas verdienen, um ihre Existenz und die ihrer Familie zu sichern? Auch diese Frage ist sicherlich diskussionswürdig.

Doch dass viele Frauen von der Idee begeistert waren, zeigte sich an einer schnell wachsenden facebook Gruppe. Die Challenge Teilnehmerin stellten sich zu Beginn der Challenge ihre persönliche Ausnahmeliste zusammen ... hiernach erlaubten sich die Frauen beispielsweise weiterhin den Kauf von Unterwäsche, oder aber dem jährlichen Tour T-shirt, oder, oder ... 



Und dann fiel der Startschuss am 18.04.2016.

Ich, die sich schon lange Zeit vorher selber keine Kleidung mehr gekauft hatte, merkte auf einmal, wie schwer es sein kann, bewusst zu verzichten. Irgendwie kam bei mir anfangs verstärkt der Gedanke des Verzichtes auf. Es gehörte schon etwas Selbstdisziplin dazu, bis ich irgendwann gar nicht mehr daran dachte, keine Kleidung kaufen zu wollen. Der Wunsch danach war verschwunden.




ABER ... ich bin ja Näherin und da bietet es sich ja nun mal an, sich die Kleidung selber zu nähen. Da locken wunderschöne Stoffe im Netz, auf Stoffmärkten, in Geschäften in unterschiedlichsten Qualtitäten, bunten Farben und natürlich auch in den unterschiedlichsten Preisklassen.

Tja, rückblickend kann ich zwar sagen, dass ich auf den Kleidungskauf verzichtet habe, aber an Stoffen kam ich nicht vorbei.
Ich nähte ohne Ende und hierfür waren natürlich auch ohne Ende Stoffe erforderlich.
Kreuz und quer habe ich diese geshoppt, Hauptsache sie haben mir "in dem Moment" gefallen.

War das nun richtig bzw. habe ich mit den Stoffkauf doch nur den Kleidungsverzicht kompensiert?

Und oft erlebte ich die Situation bei mir ... trotz viel genähter Kleidung passt einiges gar nicht zusammen, ist schlecht kombinierbar oder im schlimmsten Fall gefällt es mir recht schnell schon gar nicht mehr.
Das war alles andere als nachhaltig und ein überlegtes Konsumverhalten von mir.








Wie ich hier schon des öfteren erwähnt habe, hatte ich die Möglichkeit bei Frau Maier an einem online Seminar teilnehmen zu können, in dem es um die individuelle Stilfindung geht.
Dieses Seminar hat mir in vielerlei Hinsicht geholfen. Ich habe für mich feststellen können, warum ich mich in einigen meiner genähten Kleidungsstücke nicht wohlfühle, Farben für mich herausgefiltert, in denen ich mich einfach wohlfühle und auch die Richtung meiner Kleidungswahl hat sich manifestiert. Was nutzt es mir, wenn mir Leute ein feedback geben, dass ihnen eine bestimmte Kleidung super an mir gefällt, ich mich darin aber gar nicht wohlfühle oder auch umgekehrt?




Mir Gedanken darüber zu machen, wie ich mich kleidungsmäßig gerne zeigen möchte, was mir diese bedeutet und in welchen Farben und Materialien ich mich wohl fühle, kam zum Ende der Challenge genau richtig. 
Zu erkennen, dass ich nicht jeden Stoff unbedingt haben muss (klar, die Kaufentscheidung liegt immer bei einem selber, aber ich habe mich schon oft dabei ertappt, dass ich mich öfter mal von einem Stoffhype hab mitreißen lassen), sondern wirklich mal überlege, ob das ein Stoff ist, der zu mir passt, der in meinen Grundfarben ist, die ich untereinander super kombinieren kann und auch auf die Qualität zu achten.

Auch hier kann weniger mehr sein ... manchmal auf einen Stoff zu verzichten, sich dann aber für ein wertiges Material zu entscheiden, in dem ich mich großartig fühle und das ich am liebsten immer tragen möchte. Das ist doch eigentlich das, was ich mir wünsche und ideal finde.
Glücklicherweise haben meine Lieblingsstoffhändler qualitativ hochwertige Stoffe, so dass ich diesen ganz bestimmt treu bleiben werde.

Die 365 Tage ohne Challenge ist zwar bereits vorbei, doch war diese für mich sicherlich der Anlass dafür, über mein Konsumverhalten weiter nachzudenken. 
Und sind wir doch mal ehrlich ... eigentlich leben wir alle in einem Überfluss an Kleidung und sonstigen Dingen. Schauen dennoch manchmal ganz neidisch auf andere Kleidung/ Stoffe, die wir uns augenscheinlich nicht leisten können. Doch könnten wir das eventuell doch, wenn wir einfach mal bewusster uns beim Einkauf verhalten und ab und an mal etwas liegen lassen. Wie groß wird wohl die Freude sein, wenn wir es schaffen, dann tatsächlich mal unser "Traumteil" erwerben zu können?!

Die Challenge war für mich schon deswegen wichtig, um mit diesem Fazit das Ganze zu beenden. In einem Jahr werde ich sichelich erneut einen Rückblick wagen, wie sich mein Style und auch mein Kaufverhalten in Bezug auf Stoffe entwickelt hat. Es bleibt spannend!

Ein Kleid, das ich mir während dieser Challenge genäht habe, zeige ich hier heute auf meinem blog.
Es ist ein Kleid, in einer Farbe, die sich für mich als meine Grundfarbe herausgestellt hat. Sicherlich hätte ich das Kleid auch enger nähen könne, aber ... ich wollte diese luftiger haben und nur körpernah und  nicht körpereng. Vernäht habe ich hier einen ganz leichten Strickstoff, den ich über Oma Lies Stoffe(n) bezogen haben.
Jetzt bei dem wärmeren Wetter hat es mich schon oft begleitet. Es handelt sich um das Kleid "Grace" 
von tina-lisa-schnittdesign. Sicherlich habt ihr schon einige genähte Kleider nach dem Schnittmuster "Grace" bestaunt. Es lässt sich so vielseitig nähen und es kleidet wirklich jede Frau absolut wunderbar. 

Ich möchte euch abschließend noch den Erfahrungsbericht von Gabi ans Herz legen, die ebenfalls an der 365 Tage Challenge teilgenommen hat, ihre Kleidung selber näht und darüber in ihrem blog schreibt, was die Challenge bei ihr bewirkt hat. Schaut doch mal bei ihr vorbei: https://andersistauchgut.wordpress.com/2017/04/18/365-tage-ohne-das-jahr-ist-um/




















  

Kommentare

Gabi Schneider hat gesagt…
Gut auf den Punkt gebracht! Und mal wieder ein wunderschönes Kleid genäht! Das sieht bequem und doch elegant aus und lässt Dich strahlen! :*

Lieben Gruß!
Gabi